Liebe Bürgerinnen und Bürger,

auch dieses Jahr darf unsere Gedenkfeier zum 76. Jahrestag des Bombenangriffes auf unsere Heimatstadt wegen der Corona-Pandemie nicht öffentlich begangen werden.

Lassen Sie uns dennoch gemeinsam des schlimmsten und grausamsten Geschehens in der über 1000-jährigen Geschichte unserer Stadt erinnern und der vielen Opfer gedenken.

Vor 76 Jahren – in der Nacht vom 17. April 1945 – ging unsere Stadt bei einem verheerenden Bombenangriff in Flammen auf. Der nur 15 Minuten andauernde Bombenterror brachte den Schwandorfer Bürgern unbeschreibliches Leid. Fast 1300 Menschen mussten in diesem Inferno ihr Leben lassen, es gab unzählige Verletzte und Verwundete und für die Überlebenden brachte der gnadenlose Bombenterror Trauer und Schmerz. Wir können das Grauen, das Elend und die Not kaum erahnen. Was unsere Familien, Angehörige und Freunde ertragen und erlitten haben, ist unfassbar.

Die wenigsten von uns kennen die schrecklichen Kriegsjahre noch aus eigenen Erlebnissen. Und weil es auch immer weniger Zeitzeugen gibt, die das schreckliche Geschehen des Zweiten Weltkrieges miterleben mussten, ist es umso wichtiger und notwendiger die Erinnerung an den für unsere Stadt und ihre Bürger so verhängnisvollen 17. April 1945 zu bewahren.

Die Ereignisse der Nacht des 17. April 1945 haben die Entwicklung unserer Stadt nachhaltig verändert und das Leben der Menschen bis heute beeinflusst und geprägt. Wir sind in Gedanken bei allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die um geliebte Angehörige trauern. Ihnen gilt unser besonderes Mitgefühl.

Mit unserer Vergangenheit müssen wir uns bewusst auseinandersetzen und aus der Geschichte Lehren für die Zukunft ziehen. Krieg ist das schlimmste, was Menschen sich antun können, deshalb muss uns dieser 17. April mahnen und verpflichten, uns für demokratische Werte einzusetzen. Das Recht auf Freiheit, Selbstbestimmung und auf Achtung der Menschenwürde darf niemals aufgrund von irgendeiner Ideologie in Frage gestellt werden. Es ist unsere Aufgabe, für unsere Nachkommen eine friedliche Zukunft zu gestalten. Eine Zukunft, in der kein Platz für Krieg, Gewalt, Unterdrückung, Terror und Rassismus ist. Eine Zukunft, in der alle Menschen, ganz gleich welcher Herkunft oder welchen Glaubens, in gegenseitigem Respekt und Freundschaft zusammenleben können. Jeder von uns ist aufgerufen, Verantwortung für die Geschehnisse in unserem Land zu übernehmen und sich jeglicher Art von Unterdrückung und Ungerechtigkeit couragiert entgegenzustellen. Denn nur, wenn wir uns alle täglich für Freiheit und Demokratie einsetzen, können wir die einmalige Chance nutzen, ein Europa des Friedens, des Wohlstands und der Sicherheit für uns und unsere Kinder zu schaffen.

Lassen Sie uns des schlimmsten und grausamsten Geschehens in der Geschichte unserer Stadt gedenken, die Erinnerung an den für unsere Heimatstadt und ihre Bürger so verhängnisvollen 17. April bewahren und um die Opfer dieser Nacht trauern.

Auch wenn heuer, um Infektionen zu vermeiden, keine offizielle Gedenkfeier stattfinden kann, werde ich mit meinen beiden Stellvertreterinnen einen Kranz am Ehrenmal in der Fichtlanlage zur Erinnerung und zum Gedenken an diesen für unsere Stadt und ihre Bürger so verhängnisvollen 17. April 1945 niederlegen.

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,
gerne können Sie den ganzen Tag das Ehrenmal und die Sammelgräber besuchen, um individuell zu gedenken und zu trauern. Vertrauen wir darauf, dass wir die Gedenkfeier 2022 wieder gemeinsam begehen können.

Ihr

Andreas Feller
Oberbürgermeister