Feierlicher Empfang des Europa-Sonderzuges zum ersten Halt in Deutschland

SCHWANDORF Überpünktlich, um 13:45 Uhr, rollt der Connecting-Europe-Express (CEE) am Wahlsonntag zu seinem ersten Halt in Deutschland im Schwandorfer Bahnhof ein. Ein Hauch von Orient-Express umweht die zahlreichen Zuschauer als zu den Klängen der Europahymne – virtuos gespielt von den Irlacher Musikanten – die internationalen Gäste und hochrangige EU-Vertreter am Gleis 1 begrüßt werden.
Doch der Reihe nach: Die EU-Komission hat 2021 zum europäischen Jahr der Schiene ausgerufen. Auch in Deutschland wird mit den Initiativen „Deutschland braucht eine starke Schiene“ und „TEE 2.0“ des Bundesverkehrsministeriums der Fokus auf den Schienenverkehr gelegt. Und das aus gutem Grund.
Um die Klimaziele einzuhalten ist es nötig den Personen- als auch den Güterverkehr auf die umweltfreundliche Schiene zu verlagern. Der Schienenverkehr ist EU-weit nur für unter 0,5% der Treibhausgasemissionen des Verkehrssektors verantwortlich. Dennoch werden lediglich nur 7% der Reisenden und 11% der Güter auf der Schiene transportiert.
Nach Jahren der Stagnation und des „auf Verschleiß fahren“ sollen nun alle Signale auf Fahrt gestellt werden.
„Der Connecting-Europe-Express ist viel mehr als nur ein Zug – er ist ein lebendes Experiment. seine Fahrt durch Europa ermöglicht es uns, die Fortschritte und Vorteile des Schienenverkehrs zu sehen, aber er rückt auch die verbleibenden Probleme ins Licht, die wir lösen müssen, um unsere zusammenführenden Projekte wie den einheitlichen europäischen Eisenbahnraum und die Transeuropäischen Verkehrsnetze zu vollenden", sagt Adina Vălean, EU-Kommissarin für Verkehr.
Am 2. Semptember ist der Connecting-Europe-Express in Lissabon zu seiner einzigartigen Reise aufgebrochen. Auf der 36 Tage dauernden Fahrt nach Paris durchquert der CEE 26 europäische Staaten. Madrid, Rom, Wien, Budapest, Prag, Schwandorf – der CEE ist Botschafter der verbindenden Kraft der Eisenbahn – über 33 Grenzen hinweg. Doch trotz der intensiven Zusammenarbeit von über 40 Eisenbahngesellschaften gibt es noch zahlreiche Hindernisse – auf die auch der CEE aufmerksam machen soll.
So sind drei verschiedene Züge nötig, um von Spanien ins Baltikum zu gelangen. Historisch bedingt ist der Abstand der Schienen auf der iberischen Halbinsel und in den baltischen Staaten breiter als im übrigen Europa, bis heute. „Aktuell ist es einfacher mit einem Bus oder LKW durch Europa zu fahren als mit einem Zug – das muss sich dringend ändern“ sagt der Chef der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) Andreas Matthä. So muss der Connecting-Europe-Express fast an jeder Grenze eine andere Lok vorspannen – die Oberleitungssysteme der EU-Staaten sind bis heute nicht kompatibel.
Dieser mangelnden Interoperabibilität soll auch durch das soeben verabschiedete 4. Europäische Eisenbahnpaket ab 2021 begegnet werden.
Auch im Schienenverkehr der Region ist an vielen Stellen noch deutlich Luft nach oben. Das wurde beim Empfang des CEE in Schwandorf deutlich. Oberbürgermeister Andreas Feller konnte zusammen mit Organisator und Moderator Jonas Rösch den Verkehrsexperten und Mitglied des Europäischen Parlaments Ismael Ertug (SPD) und stellvertretende Landrätin Birgit Höcherl zum Bürgerdialog begrüßen. Bei Weißwürsten vom Brunnerhof Richt und Brezen der Bäckerei Scherl wurde eifrig diskutiert.
„Wieso dauert das alles so lange?“ Mit dieser Frage brachte einer der Anwesenden die Probleme vor Ort auf den Punkt und sprach damit vielen Fahrgästen der Region aus der Seele.
Eine Bahnangestellte berichtete von Müttern mit Kinderwagen und Rollstuhlfahrenden die angesichts der sehr knapp bemessenen Umstiegszeiten und der steilen Treppen am Schwandorfer Bahnhof täglich verzweifelten. Die Barrierefreiheit sei nicht nur längst überfällig, sondern müsste für den wichtigen Bahnknoten Schwandorf priorisiert vor anderen kleineren Haltepunkten angegangen werden.
Ismael Ertug unterstrich die Bedeutung des Schwandorfer Bahnhofs als zentraler Knotenpunkt innerhalb der transeuropäischen Netze und richtete den Blick auf den bevorstehenden Bahnausbau in Nordostbayern der sowohl die Elektrifizierung der Bahnstrecken als auch den Ausbau der Bahnhöfe zum Ziel hat.
Auch Oberbürgermeister Andreas Feller zeigte größtes Verständnis für die Sorgen der Gäste. Er berichtete von zahllosen Gesprächen zum Thema Barrierefreiheit u.a. in Berlin.
Die langwierige Plangungsphase bei Bahnprojekten müsse beschleunigt werden. Der Ausbau der wichtigen Magistralen in der Region sei längst überfällig. Dass die erste Station des CEE in Deutschland Schwandorf ist, sei ein Symbol für den Aufbruch.
Dann sei Schwandorf für die Zukunft gerüstet, die auch einen Fernverkehrshalt eines Intercitys München-Dresden möglich macht.
Und bei strahlendem Sonnenschein rollt auch schon - gezogen von einer alex-Diesellok der Länderbahn – der Connecting-Europe-Express ins Gleis 1 des Schwandorfer Bahnhofs.
Ein Raunen geht durch die Reihen der Zuschauer als der Glasdach-Panoramawagen der Schweizer Bundesbahnen direkt vor Ihnen zum Halten kommt. Unter den Klängen der Europahymne begrüßt Moderator Jonas Rösch dreisprachig die weit gereisten Gäste.
Mit an Bord ist Herald Ruijters, Generaldirektor Verkehr der EU-Komission und Libor Lochman, ehem. Exekutivdirektor der Gemeinschaft der Europäischen Bahnen sowie Désirée Oen, stellvertretende Kabinettschefin der EU-Verkehrskomissarin sowie zahlreiche Journalisten und Blogger die sich interessiert unter die Schwandorferinnen und Schwandorfer mischen.
Während nebenan den Gästen erklärt wird, wie eine Weißwurst korrekt verzehrt wird, werden zahlreiche Erinnerungsfotos geschossen. Einige Mutige wagen auch einen Blick ins Innere und berichten aufgeregt vom Komfort im Schlafwagen oder der Aussicht im Panoramawagen.
Begeistert von dem unerwarteten Empfang, der Blasmusik und den kulinarischen Schmankerln nehmen die EU-Vertreterinnen und Vertreter das Schwandorfer Stadtwappen von OB Andreas Feller entgegen. Es geht zusammen mit den Wappen der über 100 weiteren Stationen auf die Reise nach Paris und wird dort öffentlich ausgestellt. Doch bis dahin liegt noch eine weite Strecke vor dem CEE. Am 30. September laden Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und EU-Verkehrskomissarin Adina Vălean in Berlin zu einem Gipfeltreffen zum Thema Bahnverkehr der Zukunft zu dem der CEE erwartet wird. Viel zu schnell ertönt der Pfiff der Trillerpfeife und der Sonderzug verschwindet hinter den winkenden Zuschauerinnen und Zuschauern. Ob der legendäre Orient-Express tatsächlich einmal in Schwandorf hielt, ist nicht überliefert. Die Sehnsucht mit auf die Reise zu gehen, lässt sich aber ab Fahrplanwechsel im Dezember stillen, wenn der Nachtzug Wien-München-Paris wieder den Betrieb aufnimmt. Diesmal allerdings mit nagelneuen nightjet-Wagen der ÖBB.
Am Rande der Veranstaltung hat Oberbürgermeister Feller mit den Vertretern der EU die Elektrifizierung, die Barrierefreiheit und einen besseren und hochwertigen Personenverkehr für die Stadt Schwandorf und des Umlandes eingefordert.

Daten und Fakten

Connecting Europe Express

Projekt der EU-Kommission. zum europäischen Jahr der Schiene

20.000km Strecke

100 Stationen

26 Länder
Empfang in Schwandorf

Bürgerdialog mit Ismael Ertug (MdEP), Andreas Feller (OB Schwandorf), Birgit Höcherl (stellv. Landrätin)

Unterstützt durch Brunnerhof Richt, Bäckerei Scherl, Grüne Jugend Schwandorf, Irlacher Dorfmusikanten

Links
Connectingeuropeexpress.eu
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